Geschichte der Pfarrer

 

Matthias Vorstius 1643 – 1664


Ein interessantes Fenster in die damalige Zeit öffnet sich, wenn man dem Werk „Unsere Väter“ von Herrman Thelen aus dem Jahre 1960 folgendes entnimmt:

„Schöffen, Kirchmeister und Almosenpfleger der Kirche zu Kapellen bitten die Moerser Synode am 24. September 1641, die Besetzung, der durch Tod ihres Predigers Hen. Knorren erledigte Stelle, nicht übereilt vorzunehmen. Sämtliche Brüder erboten sich, eine Zeitlang die „vacante“ Stelle zu verwalten.

Mittlerweile bewarben sich um die Pfarrstelle:

  1. Gabriel Kohlhagen, Sohn des Thomas K., Prediger in Wald
  2. Matthias Vorstius, Sohn des verstorbenen Theod. Vorstius, Neukirchen
  3. Samuel Neomagus, Sohn des Pfarrers Joh.'s N., Baerl
  4. Anton Wutius, Lehrer an der Lateinschule (Adolfinum) Moers
  5. Theodorus Auwertz, Wesel
  6. Theodorus Berck, Schulmeister in „in gen Rade (Rayen)“, Neukirchen

Von diesen Bewerbern werden im „Convent“ am 27. Mai 1642 Kohlhagen, Wutius und Vorstius der Moerser Regierung in Vorschlag gebracht.

Im „conventus Extraordinarius“ gehalten am 16. Januar 1643 macht Schultheiß Georg von Eßen bekannt, dass der Prediger Gabriel Kohlhagen seine Gemeinde in Walt nicht verlassen könne, wiewohl er die Berufung nach Kapellen schon angenommen hätte.

Hierauf wurde auf ständiges Anhalten und „einhelligen“ Beschluss der Gemeinde von den Landesbeamten D. Mathias Vorstius, weil er schon examiniert und eine Zeit lang beim Dienst in Kapellen geholfen hätte, dem Landesherrn vorgeschlagen. In der Tagung am 18. März 1643 hielt Dominus Mathia Vorstio seine Predigt, die von den Brüdern zensuriert und nichts als was Gotteswort und der reinen wahren Religion gemäß „darinnen befunden worden“.

(...)

Wegen der Einführung wurde beschlossen, dass sei zu Capellen in Gegenwart der Synode und der Gemeinde am 24. März 1643 erfolgen soll. Vorstius war verheiratet mit Sara Knorren, der Tochter seines Vorgängers. Am 22. August 1664 starb er und wurde in der Kirche beigesetzt.

Seine erste Taufeintragung von 1643 führt uns in die Leidenszeit des Dreißigjährigen Krieges, verursacht durch den Einfall der weimarischen Truppen 1642 nach der Schlacht bei Hüls. Es heißt hier u.a.: Zwischen Ostern und Pfingsten nach ergangenem weymarischen Landruin ist am achtersten Germerdunck ein f remdes ausländisches junges Kind, dessen Mutter und Freunde von Uerdingen dahin geflüchtet und eingelegen, christlich getauft, genannt Enngen Zeugen waren: Jann in gen Lehens, Bürger zu Moers, vorher zu Uerdingen, Item Itgen von Germerdunck und Thrin, ihre Vortochter, und andere zu derselben Familie gehörend, und Goerdt Loeschen (...)

Pastor Vorstius tauft nach seinen Angaben in den späteren Jahren doch an Feiertagen, wie er es in seinem musterhaften Taufbüchlein u.a. bezeugt (...).

Auch klagte er über das unselige Trinken des Sonntags vor dem Gottesdienst, denn durch die Trinker würde ein Teil des Gottesdienstes versäumt, ja Gesang und Gebet würden gestört und den anderen Kirchenbesuchern manches Ärgernis gegeben. (...)“